Wie der Teufel in Wien wütete

23.05.2021

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Information zum Buch

Verlag: Tribus Verlag

Autor: Johannes Krakhofer

Erscheinungsdatum: 13. Oktober 2020

Buchlänge: 600 Seiten

Genre: Horror ( Keine spezifische Angabe )

Format: Paperback

ISBN: 978-3753108711

Preis:

E-Book : Nicht vorhanden

Paperback: 19,99 Euro ( Amazon)


Klappentext

"Wer den Teufel geladen hat, der muss ihm auch Arbeit geben." - Deutsches Sprichwort Wien, im Jahre des Herrn 1454 Die Wienerinnen und Wiener wollen nach einem harten, kalten Winter ausgelassen den Fasching feiern. Die Feierlaune in der Kaiserstadt lässt jedoch schlagartig nach, als bekannt wird, dass ein geheimnisvoller Fremder den Teufel beschworen hat und bereits drei Männer, bestialisch zugerichtet, zur Hölle gefahren sind. Nichts und niemand scheint dem durchtriebenen Höllenfürsten gewachsen zu sein, der seine leichtsinnigen und überheblichen Opfer scheinbar willkürlich und überraschend zu sich holt. Nur der arme Schankjunge Robert ist entschlossen sich dem wütenden und zerstörerischen Dämon und seinen weltlichen Verbündeten zu stellen, um seinen Bruder und Elisabeth, die Frau die er liebt, zu retten...


Rezension

Bevor ich mit meiner Rezension beginne, möchte ich dem Verlag rechtherzlich für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars danken ( Verlagsbloggerin). 

Basis Information:

Vergangenheitsform

Erzählerperspektive

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Bevor ich dieses feine Werk inhaltlich bewerte, möchte ich einmal auf das Format und die reine Optik eingehen. Hierbei muss ich sagen ist dieser gewählte Druck und das Format nicht ganz mein Fall. Es ist größer als ein gewöhnliches Taschenbuch. Bei dieser enormen Seitenanzahl fällt es einem förmlich schwer, das Buch vernünftig zu halten und ungehindert lesen zu können. 

Das Cover entspricht leider auch nicht ganz meinem Geschmack. Es wirkt auf mich nicht all zu hochwertig und das Design wird leicht überflutet und nicht besonders scharf. Dies sind aber reine optische Aspekte, die keinesfalls etwas mit dem Inhalt zutun haben. Nur würde ich das Buch unter diesen Bedingungen im Laden sehen, so würde ich es wahrscheinlich nicht direkt kaufen wollen.

Denn sind wir mal ehrlich, worauf achten wir zuerst wenn wir einen Buchladen betreten und uns auf die Suche nach unseren nächsten Schätzen machen? Genau, der erste Blickfang ist immer das Cover das uns anspricht, oder halt eben nicht.

Demnach finde ich persönlich als Bloggerin es sehr wichtig, das man sich bei der Ausarbeitung Gedanken macht und Mühe gibt. Jedoch möchte ich hierfür nur über meinen persönlichen Geschmack reden, denn ich bin mir ziemlich sicher das der Autor, Verlag, Designer etc sicherlich viel Herzblut in die Sache gesteckt haben und das möchte ich keinesfalls bestreiten. 

Rein inhaltlich ist das Buch etwas ganz besonderes, denn wir erleben die Geschichte aus einer Zeit, in der Aberglaube und Mythos ein präsentes Thema waren. Themen, durch die damals viele unschuldige Menschen ihr Leben lassen mussten.

Im Endeffekt wird das Erlebte zu einem reinen Alptraum. Denn im Großen und Ganzen beginnt alles damit, das wir den Teufel ins Haus gelassen haben und dies war damals ein Geschehen, welches für den Betroffenen und die gesamte Familie das gnadenlose Todesurteil bedeutete. 

Wer demnach großes Interesse an historischen Büchern, Mythen etc mit sich bringt, der bekommt hier eine grandiose, tiefgehend und persönliche Geschichte geboten, welche in sämtlichen Aspekten fachgenau ausgearbeitet wurde. Alles wird passend in die Welt eingebracht, der Glaube wird zum inneren Kampf der Bewohner. 

Generell und überhaupt wird das Wort des Teufels stets gemieden und kommt andernfalls mit einer gnadenlosen Strafe daher. 

Man solle schließlich nichts hinaufbeschwören. Immer wieder werden wir in der Geschichte mit diesem Vergehen konfrontiert. 

Der Autor geht neben einer spannenden Geschichte wirklich klasse auf den Lebensstil der damaligen Zeit ein. Man merkt mit wie viel Recherche und Herzblut dieser kleine Schinken entstanden ist, hierbei kann man wirklich stolz auf sich sein, denn dies spürt man mit jeder Zeile die niedergeschrieben wurde. 

Es ist für mich als Leserin absolut erschreckend gewesen, mit wie vielen simplen Lebensformen und Situationen, damals die Qual des Teufels verbunden wurde. Schnell galt man als Verflucht, Unrein oder nicht mehr Anmutig. 

Besonders detailreich wurden außerdem Orte und Charaktere ausgearbeitet. Auch hier hat man sich äußerst viele, tolle Gedanken gemacht, um dem Leser ein facettenreiches Leseerlebnis zu bieten. Zum Beispiel, mein persönlicher Favorit und besonders geprägter Hotspot der Geschichte : Ignaz der Wirt und seine Kneipe. Gefühlt ein Treffpunkt trauriger Seelen. 

Denn wie bereits erwähnt werden Charaktere und Protagonisten mit einem starken und wichtigen Charakterzug versehen. 

Die Menschen des Ortes sind voller Verzweiflung, Intrigen, Wut und Hass. Manche handeln aus Habgier, manche aus Verzweiflung und Existenz Ängsten. 

Doch der Teufel lauert überall in Wien und sobald er die Schwäche spürt, die Hilflosigkeit der Menschen riecht, oder man ihn aus Verzweiflung gar zu sich ruft, so ist er da. Und diesen Pakt mit ihm zu schließen, kostet dich deine Seele. 

Denn auch der Teufel hat eine äußerst menschliche Facette abbekommen. Er führt Dialoge mit unseren Protagonisten und führt sich dessen Situationen zu Gemüte. Es ist erstaunlich wie getreu der Autor all dies zusammengefasst und in eine grandiose Story verfrachtet hat. 

Wir bekommen sogar interessante Momente der Brutalität geboten. Natürlich lebt dieses Buch nicht ausschließlich von diesen Momenten und wer sich viel von solch etwas erhofft, der ist mit diesem Buch an der falschen Adresse. Aber gerade da ich mir in diese Richtung nur wenig bis gar nichts erhofft hatte, war ich absolut begeistert als man mir diese Überraschung offenbarte. Es war eine super geschriebene Szene , die mich als Horror Fan zwischendrin sehr erfreut hat. 

Auch ein Junge aus der Geschichte ist mir als Charakter besonders nah gegangen. Denn in seinem persönlichen Verlauf habe ich Mitleid und Anmut empfunden. Doch wie ist es mit solch einer Person Mitleid zu haben, wenn diese sich der Teufel schimpft ?

Ihr merkt bereits dieses Buch lebt von seiner Komplexität und vielen Facetten die wir geboten bekommen. Diese kann ich in meiner Rezension thematisch nur ankratzen, da ich keinesfalls spoilern möchte. 

Kommen wir einmal zu dem Schreibstil des Autoren, der mir noch etwas auf meiner unreinen Seele liegt, denn dieser ist etwas besonderes und man sollte als Leser wissen worauf man sich einlässt. Er ist keinesfalls 0815. Nein wie bereits zu Beginn meiner Rezension erwähnt, passt sich absolut alles in diesem Buch an die passende Zeit an und somit ist auch der Schreibstil auf Dauer ziemlich fordernd. 

Damit will ich nicht sagen das er mir konkret nicht zugesagt hat, nein ich fand ihn Spitzenklasse und er zeigt einmal mehr, was der Autor wirklich kann. 

Dafür ein großes Hut ab, denn man fühlt sich wirklich wie in diese Zeit katapultiert. 

Die besondere Schriftart die als Übergänge zu dem jeweils neuen Kapitel dienen sollen, gefallen mir äußerst gut. Man hat sich selbst mit dem Druck/Schriftstil Gedanken gemacht um ein harmonisches Komplettbild zu liefern und dieser Punkt ist bei mir als Leserin mehr als nur angekommen. 

Und trotzdem erschwert es einem auf Dauer das Lesen. Das Auge macht gefühlt eher schwach und man fühlt sich erschöpft, weil die Anstrengung eine andere ist. Auch wenn ich angepasste Schriftarten optisch absolut schön finde, so ist es für das eigentliche Lesen ein kleines Hindernis und sollte vielleicht für das nächste Buch noch einmal überdacht werden. 

Fazit: Ihr merkt schon außer bei dem Format und der Optik, konnte sich dieses feine Buch eigentlich durch kaum etwas ins Aus schießen. Ich bin stets begeistert und möchte dieses Werk einer besonderen Zielgruppe ans Herz legen. Bisher hatte ich nämlich noch nie Bücher gelesen, die im Verlauf an historischen Aspekten zunehmen. Somit sollten diese Leute unbedingt zuschlagen, die sich bei diesem Stichpunkt angesprochen fühlen. Für mich hat dieser Autor absolut etwas auf dem Kasten. Charakter und Ortsausarbeitungen sind klasse ! 

Die unterschiedlichsten Charaktere, deren Züge und Ansichten wurden bis ins kleinste Detail für uns erschaffen. Ansichten , Aberglaube und Mythen der Zeit leiten uns durch das Verfahren und der Teufel wurde so unfassbar gut und spannend dargestellt, ich habe die 600 Seiten fast in eins verschlungen. 

Danke an den Autoren und den Verlag für diese Bereicherung an Geschichte, ich habe sie wirklich sehr genossen.

Von mir gibt es 4/5 Fledermäuse.