Peter Grandl

17.07.2020

Autoren Interview mit Peter Grandl zu Turmschatten


Steckbrief

  • Geburtsdatum: 3 Oktober 1963
  • Geburtsort: München
  • Sternzeichen: Waage
  • Familienstand: Verheiratet
  • Hobbys: Synthesizer, Drum Computer, Modulartsysteme
  • Welches Genre lese ich am liebsten?: Fiction a la Philip K Dick
  • Lieblingsessen: Erdbeeren

Interview


Zeilenmoerderin: Turmschatten ist ein Thriller, der in seinem Inhalt ein sehr prekäres Thema anspricht und bearbeitet. Wie genau kam es zu dem Gedankenprozess des Werkes?

Peter Grandl: Das war ein langer Prozess. Alles ging damit los, dass ich mehr über das Leben meiner beiden Großväter wissen wollte, die überzeugte Nationalsozialisten waren. Da ich beide noch persönlich kannte und ich sie als kleines Kind sehr sehr gern hatte, tat sich mit zunehmenden Alter ein Widerspruch auf. Wie konnten meine beiden, geliebten Opas seinerzeit Nazis sein? Leider stellte ich mir diese Frage aber erst nach ihrem Tod, also begann ich zu recherchieren über ihr Leben, die damalige Zeit und schließlich über die ganze Bewegung bis in die Gegenwart. Umso tiefer man da eintaucht ,umso fesselnder ist das Grauen. Im Jahr 2000 gab der Immobilienkauf eines Freundes, der Sache eine komplett neue Wendung, denn er erwarb einen Hochbunker aus dem zweiten Weltkrieg und baute diesen in den Folgejahren zu einer Villa um. Schon bei meinem allerersten Besuch in diesem Turm, war ich fasziniert von dem Gedanken, mein gesammeltes Wissen in einen Thriller zu packen, der in diesem Turm spielen sollte - und so entstand schließlich TURMSCHATTEN.

Zeilenmoerderin: Dein Werk lebt von seiner Intensität der Charaktere und ganz besonderen Persönlichkeiten. Fast schon , als würde es einen Hauch einer persönlichen Hintergrundgeschichte bearbeiten. Sind deine Charaktere fiktiv oder gibt es demnach gar direkte Bezüge, die dich emotional getroffen haben?

Peter Grandl: Es gibt für fast jeden Charakter einen realen Bezug. Ob das die Politikerin Seligmann ist oder die Bewährungshelferin Marie. Teilweise kenne ich die Menschen persönlich (z.B. den SEK-Leiter Schuster) oder sie wurden gut recherchiert, wie z.B. Carla von Stein, die einer berühmten Moderatorin aus den 90ern nachempfunden ist. Manche Figuren wie Zamir oder Karl Rieger, bestehen wiederum aus mehreren realen Personen. In allen Fällen sind aber die emotionalen Charaktereigenschaften der Figuren dramaturgisch neu von mir interpretiert worden.

Zeilenmoerderin: Teile dein Gedankengut mit uns. Ernennst du selbst deinen Thriller als Botschaft an die Gesellschaft da draußen, oder soll es bloß zur reinen Unterhaltung dienen?

Peter Grandl: Ich bin von Beruf Werber. Der Thriller ist die attraktive Verpackung, die eine Botschaft verbreiten soll. Aber am Ende geht es um die Botschaft und nicht um die Verpackung. Deshalb hat die Arbeit an dem Roman auch 5 Jahre gedauert. TURMSCHATTEN soll die Leser wachrütteln und beim nächsten Gang an die Wahlurne davor bewahren die AFD zu wählen oder bei populistischen Themen, die eigene humanitäre Erziehung zu vergessen.

Zeilenmoerderin: Da die Thematisierung sehr politisch und historisch ist, gibt es sicherlich auch einige Leute die einen diesbezüglich in Sachen Kritik angehen. Hast du aufgrund der Darstellung der Story schon Problematiken gehabt, oder gab es schlichtweg nur positive Resonanzen?

Peter Grandl: Ich hatte eher damit gerechnet, dass den Stoff niemand wahrnehmen wird - und schon gar nicht Frauen. Und nun sind es vor allem Frauen, die den Stoff lesen und weiterempfehlen oder in Buchblogs loben. Kritik und Anfeindungen von der rechten Szene blieb mir bislang noch erspart. Ich schätze, dafür ist der Stoff noch nicht stark genug verbreitet. Ich befürchte aber, dass das mit Release von Taschenbuch und TV-Serie aber noch kommen wird.

Zeilenmoerderin: Wer hat dich bei der Entstehung der Geschichte begleitet und unterstützt? Gerne würden deine Leser sicherlich auch wissen, wie genau du bei der Bearbeitung vorgegangen bist. Gibt es hierbei ein gewisses Schema nach dem du vorgehst?

Peter Grandl: Für mich ist der Plot immer die größte Herausforderung und die Basis von jeder guten Geschichte. Die Haupthandlung auf ca. 15 Seiten niederschreiben und in einem sogenannten Aufzugs-Pitch auch mal in einer Minute wiedergeben zu können - das ist der Anspruch den ich an mich selbst habe. Nebenhandlungen, Verknüpfungen und diverse Mechaniken, die in einen temporeichen Thriller ausmachen, entstehen bei mir während des Schaffensprozesses. Beim Rasieren, beim Bergsteigen oder beim Musik machen mit meinen Synthesizern - nur selten übrigens beim eigentlichen Schreiben. Das Schreiben ist wirklich nur noch eine Niederschrift aller Ideen, die sich bei mir im Kopf angestaut haben.

 Zeilenmoerderin: Wie sieht es in naher Zukunft bei dir aus? Können wir uns bald auf ein neues Werk von dir freuen, oder wird bis dahin noch ein wenig Zeit verstreichen?

Peter Grandl: Tatsächlich war immer schon ein Fortsetzung von TURMSCHATTEN vorgesehen, da TURMSCHATTEN ganz bewusst 2010 spielt und damit die Entwicklung der AFD und vieler rechtsradikaler Anschläge und Aktionen ausgeklammert hat, die sich seitdem in unfassbarer und grausamer Weise, abgespielt haben. Teil 2 spielt heute, 2020 - und bezieht auch Corona und andere aktuelle Themen mit ein. Der Plot ist bereits komplett fertig und da ich meine Recherchen zu Teil 1 auch zu 80% für Teil 2 verwenden kann, rechnet ich mit einer Fertigstellung des Romans bis Ende 2021. Der zweite Teil geht nahtlos dort weiter wo Teil 1 aufhört, erzählt die Geschichten der wichtigsten Figuren weiter und wird tatsächlich den TURM erneut zum Hauptdarsteller machen, denn der Turm birgt ein Geheimnis, dass im ersten Teil nur ein ganz klein wenig angerissen wurde. Und ganz nebenbei, ich habe bereits auch einen dritten Teil im Kopf, der als Prequel die Entstehungsgeschichte des Turms im Dritten Reich erzählen wird.




Meine gelesenen Werke des Autoren


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