Blue Void

04.02.2021

Das Grauen auf der anderen Seite


Information zum Buch

Verlag: Self-Publish

Autor: Janka Molidae

Erscheinungsdatum: 14 Dezember 2020

Buchlänge: 200 Seiten

Genre: Horror

Format: E-Book

ISBN: Keine 

Preis: 3,00 Euro


Klappentext

Im Hongkonger Bürogebäude Seesaw Tower 2 verschwinden angeblich Menschen in Aufzügen und geisterhafte dunkle Gestalten wandern durch die Flure.
Die zwanzigjährige Vertriebsassistentin Sam kann über solche Gerüchte nur müde lächeln. Viel zu tief steckt sie in einer Identitätskrise, die noch unheimlicher scheint als die Gruselgeschichten.
Doch wie es das Schicksal so will, muss sie sich bald mit beidem auseinandersetzen. In einer kleinen Gruppe gerät sie in einen Albtraum jenseits von Raum und Zeit. Und sie ist nicht die Einzige, die gefährliche innere Dämonen mit sich herumträgt. 


Rezension

Bevor ich mit meiner Rezension beginne, möchte ich der Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars danken.

" Viel Spaß im Seesaw Tower 2."

Das waren die Worte der Autorin an mich, bevor ich mit dem lesen begann und was soll ich sagen: Verdammt ! Hätte man mich nicht vorwarnen können, dass dieses Buch auf eine perfide Art und Weise so realitätsnah erscheint?

Erst heute stand ich im Fahrstuhl bei der Arbeit und habe ernsthaft über das Geschehen innerhalb des Buches nachgedacht, demnach an alle Leser dort draußen: Dieses Buch zieht nach und das nicht zu knapp. Fahrstühle sind jetzt irgendwie nicht mehr unbedingt meine besten Freunde. 

- Vergangenheitsform

- Erzählerperspektive

Beginnen wir einmal mit der reinen Optik. Das Cover so habe ich es der Autorin gegenüber erwähnt, erinnert mich total an das alte Cover von Psycho. Trotz seiner Schlichtheit und eher zurückhaltenden Farbgebung ist es erschreckend Ausdrucksstark und äußerst ansprechend. Denn ich weiß aus sicherer Quelle, das die Organisation des Covers auf dem letzten Drücker stattfand und trotzdem orientierte man sich hierbei viel mehr an das Cover aus dem kultigen Horrorstreifen " Don't Breathe". 

Erleben tun wir das Geschehen aus der Perspektive der jungen Frau Sam. 

Doch sie wirkt auf uns nicht wie eine fröhliche junge Frau die mitten im Arbeitsleben steht, nein viel mehr erscheint sie uns wehleidig und zurückhaltend. Sie ist eine nachdenkliche Persönlichkeit die sich gewisse Dinge mehrmals durch den Kopf gehen lässt, bevor sie diese ausführt. 

Sie hat bereits zu Beginn mit einigen Problemen und insbesondere Vorurteilen zu kämpfen. Doch schnell wird dieses Elend zu Nebensache und wir werden in das eigentliche Szenario geschmissen. In der großen Metropole Hong Kongs gibt es eine Menge an Erzählungen. Ein Mythos jagt den nächsten und einer befindet sich wohl direkt zwischen den Mauern des Seesaw Towers 2, Sam's Arbeitsplatz.

Vor einiger Zeit gab es wohl ein unerklärliches Phänomen. Eine junge Frau erschien blutverschmiert im Fahrstuhl, nachdem sie über 10 Tage verschwunden war. Obwohl der wohlbesagte Fahrstuhl immer wieder neue Fahrgäste mit sich nahm, traf man nie auf die junge Frau die in diesem Fahrstuhl verschwand.

Fahrstuhl Nr. 2.

Doch wer glaubt schon an solch irrwitzige Geschichten?

Genau an diesem besagten Abend soll es dann geschehen. Sam möchte Feierabend machen und hat es gemeinsam mit ihrer Kollegin/Freundin mehr als nur eilig. Somit geraten beide in den besagten Fahrstuhl, denn wer glaubt schon an solch einen Blödsinn? 

Doch dann folgt die Abrechnung und der grausame Horror beginnt.

Doch was genau hat die wunderbare Autorin für uns gezaubert?

( Achtung diese Passage könnte wohlmöglich Spoiler beinhalten.)

Hierbei möchte ich gar nicht viel weiter darauf eingehen als wie der Klappentext es uns in gewissen Maßen schon verrät, denn wo soll man schon laden, wenn sich die Türen des Fahrstuhls öffnen aber wir uns plötzlich auf einer Etage befinden, die so keinem bekannt ist.

Psychosen, Parallelwelten, ein übler Streich? Oder alles bösartig geplante Rache. Diese Gedanken dürft ihr euch gerne machen. 

Selbst ich als Leser blieb mir bis zum Ende darüber ungewiss, in welche Richtung die Entwicklung der Geschichte nun gehen soll. Wir bekommen einige Knackpunkte geboten, besonders was das interne Miteinander angeht. Soziale Kontakte und das zwischenmenschliche sind hierbei wohl die wichtigsten Aspekte an denen man in solch einer Lage appellieren muss. 

Doch was ist wenn das Vertrauen plötzlich bricht? Was ist wenn man die falschen Entscheidungen trifft und die kleine Gruppe mit ihrem Leben bezahlen muss?

Ihr hört ganz recht, unsere Protagonistin Sam befinden sich im Verlauf nicht allein in diesem Fahrstuhl. Eine bunte Mischung aus verschiedenen Charakteren begleitet uns auf diesem Horrortrip. 

Ich finde es toll wie die Autorin eine kleine "Vorstellungsrunde" mit in das Verfahren gebaut hat. Somit bekommen wir einen Einblick in alle Personen die uns begleiten und vielleicht für später als wichtig erscheinen. Hierbei werden ebenfalls Stärken und Schwächen hervorgehoben und wir können uns ein Bild über alles machen.

Wer wirkt vertrauenswürdig? 

Wem gehen wir lieber aus dem Weg?

Ein wirklich wichtiger Aspekt, der meiner Meinung nach gut und ausreichend ausgeführt wurde. 

Doch nicht nur die kranken Psyche der Menschen und deren Ängsten laden zum lesen ein, nein, auch gewisse Ansichten und kulturelle Aspekte der Leute innerhalb Hong Kongs wurden für uns etwas niedergeschrieben. 

Ich als Leser fand es mehr als nur interessant etwas historisches mit erlernen zu dürfen und habe diese Informationen voller Interesse aufgesaugt und abgespeichert. Demnach eine bunte Vielfalt aus verschiedensten Punkten die alle passend und stimmig ineinander übergehen. 

Wie bereits erwähnt, hat mir die bunte Mischung der verschiedenen Charaktere innerhalb der Gruppe sehr gut gefallen. Keiner der Protagonisten wirkt überzogen. Schnell hat man das Gefühl ein Teil alle dem zu sein und es wird einem eine besonders authentische Situation geboten, obwohl alles so Paradox erscheint. 

Doch nicht nur das Miteinander wird aufgenommen, auch das bedrückende Gefühl der Einsamkeit und Dunkelheit saugt man in sich auf. Alles erscheint wie eine schwere Last auf den Schulter, man sehnt sich nach dem Tageslicht, nach der Freiheit und dem gewohnten Leben so wie man es kannte. Und das obwohl man gemütlich auf dem Sofa sitzt. 

Demnach schafft es die Autorin durch ihren gekonnten Schreibstil, eine atemberaubende Atmosphäre zu erschaffen die einen in eine andere Welt abtauchen lässt.

Für das Erstlingswerk eine fantastische Leistung. 

Immer weiter verwickeln wir uns in das gnadenlose Geschehen. 

Geprägt von einem kranken Ende das einen kleinen indirekten Twist hervorhebt, mit dem man so als Leser nicht unbedingt gerechnet hätte. 

Der Verlauf trotz allem? Krank und unerbittlich. 

Doch leider gibt es in den Hauptpassagen kleine Teile in denen die Spannung etwas verloren geht. Natürlich bringt es eine gewisse Kunst mit sich Protagonisten ewig innerhalb einer Szenarien miteinander agieren zu lassen. 

Hierbei legt man viel Wert auf das was untereinander geschieht, für welchen Weg man sich entscheidet etc. 

Und doch muss ich sagen hat mir zwischenzeitlich der Spannungsbogen etwas gefehlt, was aber den Gesamteindruck nicht unbedingt in die Tiefe gezogen hat, da die Autorin vieles und somit das Meiste richtig gemacht hat.

Im reinen Aufbau haben mit die Titel der einzelnen Kapitel total angesprochen. Diese Deutung habe ich so auch noch nie in einem anderen Buch erlebt.

Denn die einzelnen Kapitel sind in sogenannte Level unterteilt. Man könnte beinahe behaupten die Autorin zählt die Überlebenden der künstlich hervorgerufenen Level. Solch eine amüsante und tolle Idee das es mir ein kleines Lächeln auf die Lippen gezaubert hat.

Eine Form der Selbstironie? Da wir uns ja eigentliche auf einem Horrortrip befinden und die Hauptdarsteller so gar nichts zu lachen haben. Mir hat es jedoch super gut gefallen.

Fazit: Was für eine kranke Reise durch unerbittliche Welten. Real oder nicht ? Das sollte du dir als Leser auf jeden Fall nicht entgehen lassen und dir deine eigene Meinung bilden. Lass dich entführen in ein Spiel aus Finsternis, Einsamkeit und Zwiespalt. Wie würdest du dich entscheiden?

Wie viele Leute würden mit dir als Anführer überleben? All diese Fragen stellte ich mir als Leser und hatte eine ganz Menge Spaß dabei. 

Die Autorin hat mit ihrem Debüt etwas ganz besonderes erschaffen. Sie entführt uns auf eine authentische Art und Weise und lebhafte Charaktere in eine Welt, die es so eigentlich nicht geben sollte. 

Die Zeit verging beim lesen wie im Flug und ich fand mich in der Beklemmung der Dunkelheit wieder. Für mich ein Zeichen dafür, dass die Autorin ihr Tun versteht.

Auch wenn lediglich kleine Lücken des Spannungsbogen zu bemängeln sind, so sollte man dieses feine Werk keineswegs verpassen. 

Ein toller Start in die Welt der Literatur, mach unbedingt weiter so. 

Von mir bekommt dieses Buch 4/5 Fledermäuse.